15-stündiger Hochwassereinsatz mit zahlreichen Einsatzstellen (27.05.2013)
Einsatzstichwort: Hilfe 2 - Alarm
Einsatzmeldung: Hochwassereinsatz
Einsatzort: diverse Einsatzstellen, Holzminden
Alarmierte Schleifen: Alarmfahrer, Kleinschleife TH, Mittelschleife TH, Großschleife (alle Holzminden)
Fahrzeuge: LF 20/16 m. FwA-Transport, RW 2, ELW 2, LF 16-TS, TLF 24/50, WLF m. AB-Sondergeräte, AB-Aufenthalt u. AB-Mulde, HLF 20/16, MTW m. FwA-Tansport, SW 1000 m. Anh. Bauhof, TSF, MTW, KdoW
Eingesetzte Kräfte: 65 (sowie 30 WF Symrise)
Alarmzeit: 3:20 Uhr
Bericht:
Die seit Samstagnachmittag anhaltenden schweren Regenfälle haben am Montag im Stadtgebiet Holzminden zu einer Vielzahl von Einsätzen der Feuerwehr geführt. Schon am Wochenende war der Alarmfahrer mehrfach zu unwetterbedingten Einsätzen, wie dem Ziehen von Wehren, alarmiert worden.
Am frühen Montagmorgen begann dann ein Einsatz, der knapp 15 Stunden dauerte und für den aufgrund der großen Anzahl eingehender Meldungen sowie des Lageverlaufs die gesamte Ortsfeuerwehr Holzminden, die Werkfeuerwehr Symrise sowie der THW-Ortsverband Holzminden alarmiert werden mussten.
Bereits um 3:20 Uhr war der Alarmfahrer mit Stichwort "Hilfe 0" alarmiert worden, da im Bereich der Kreisstraße K50 Wasser der Holzminde auf die Fahrbahn lief. Kurz darauf wurde gemeldet, dass auch der obere Teich im Bereich Moltkestraße/An den Teichen überlief. Hier wurde die Lage gemeinsam mit dem Werkbrandmeister der Werkfeuerwehr Symrise erkundet und weitere Maßnahmen abgestimmt.
Um 3:39 Uhr wurde das Einsatzstichwort auf "Hilfe 1" erhöht und somit Alarm für die Kleinschleife TH gegeben. Gefüllte Sandsäcke wurden aus dem Lager am Holzmindener Schlachthof zur Einsatzstelle gebracht um das massiv über die Straßen laufende Wasser einzudeichen und die anliegenden Häuser zu schützen.
Knapp eine Stunde später um 4:33 Uhr ließ Einsatzleiter Michael Nolte das Stichwort auf "Hilfe 2" erhöhen, sodass zunächst der 2. Zug der Feuerwehr Holzminden im Einsatz war. Die Wassermassen, die in dem Bächen Holzminde, Dürre Holzminde und Hasselbach aus dem Solling kommend die Stadt von Südost nach Nordwest durchflossen sorgten für zahlreiche weitere Einsatzmeldungen.
Als absehbar war, dass mit den bereits gefüllten Sandsäcken die Einsatzstellen nicht abgearbeitet werden können, ließ der Einsatzleiter um 5:45 Uhr die Großschleife auslösen und damit Alarm für die gesamte Ortsfeuerwehr geben.
Während der zweite Zug zunächst im Stadtgebiet unterwegs war, richtete der erste Zug unter der Leitung von Zugführer Olaf Jungermann in der Halle des städtischen Baubetriebshofes eine zentrale Sandsackfüllstelle ein. Sand wurde mit einem Wechselladerfahrzeug und AB-Mulde herbeigeschafft. Die Zusammenarbeit mit dem Bauhof verlief reibungslos, so konnten auch Fahrzeuge des Bauhofes für den Transport von Sandsäcken genutzt werden.
Insgesamt wurden im Einsatzverlauf rund 2000 Sandsäcke befüllt. Davon wurden 1300 eingebaut, mit den restlichen wurden die Reserven der WF Symrise aufgefüllt sowie ca. 400 am Gerätehaus Holzminden als Reserve eingelagert.
Einsatzschwerpunkte waren die Straßen "An den Teichen", Moltkestraße, Mühlenfeldstraße, Ernst-August-Straße und die K50. Hier kam es auch zu Sperrungen für den Autoverkehr, die zum Teil noch bis zum nächsten Tag bestanden.
Die Einsatzleitung wurde gemeinsam mit der Werkfeuerwehr Symrise auf dem dortigen Parkplatz an der Moltkestraße eingerichtet, hier kamen ELW und AB-Aufenthalt der Feuerwehr Holzminden zum Einsatz. Das Symrise-Werk bildete aufgrund seiner Lage einen weiteren Einsatzschwerpunkt. Hier wurden die Maßnahmen sehr eng mit dem Werkleiter und den weiteren Verantwortlichen abgestimmt. Die Zusammenarbeit zwischen Werk- und Freiwilliger Feuerwehr war laut Einsatzleiter Nolte hervorragend.
Gegen 12:00 Uhr stagnierte die Lage, die Wassermassen nahmen nicht weiter zu. Es konnte nach und nach mit Abpump- und Aufräumarbeiten begonnen werden.
Folgende Einsatzstellen wurden im Einsatzverlauf abgearbeitet:
- Einbeckerstraße im Bereich des dortigen Internats: Hier war eine Grundwasserpumpe ausgefallen. Mit einer Tauchpumpe wurden Küche und Energiezentrale gesichert.
- Rumohrtalstraße: Ein Baum drohte aufgrund des aufgeweichten Bodens auf ein Gebäude zu stürzen und wurde vom THW beseitigt.
- Pipping: Ein Keller musste leergepumpt werden.
- Papiermühle: Ein Keller stand unter Wasser. Am dortigen Wehr kam ein Bagger der Fa. Klie zum Einsatz um schwere Holzstämme, die als Treibgut den Durchfluss des Wassers behinderten, zu entfernen.
- Schneckenbergstraße: Drei Wohnhäuser wurden gemeinsam mit den Anwohnern gesichert und erfolgreich gehalten.
- Kokenhammer: Mehrere Fußgängerüberwege und Hauseingänge mussten mit Sandsäcken gesichert werden. Ein Wassereinlauf wurde durch die Feuerwehr gereinigt.
- Altendorfer Straße: Eine Gaststätte musste mit Sandsäcken gesichert werden.
- An den Teichen: Hier waren vier Keller vollgelaufen. Die Straße wurde aufgrund vollständiger Überflutung für den Verkehr gesperrt, WF Symrise und Feuerwehr Holzminden waren im Einsatz. Später als das nachdrückende Wasser weniger wurde, konnten die Keller von LF 16-TS und HLF leergepumpt werden.
- Moltkestraße: Ein vollgelaufener Keller musste leergepumpt werden
- Mühlenfeldstraße: Musste aufgrund vollständiger Überflutung zeitweise gesperrt werden. Hier wurde später die Straße gemeinsam von WF Symrise und FF Holzminden von Schlamm und Geröll gereinigt.
- Ernst-August-Straße: Eine Gaststätte und eine Umspannstation drohten überflutet zu werden und wurden mit Sandsäcken erfolgreich gesichert. Die Straße ist teilweise noch für den Verkehr gesperrt.
- Mittlerer Teich: Drohendes Überlaufen konnte weitgehend verhindert werden, es kam zu keinen Schäden.
- Weser: Die Hochwasserschutzwände wurden durch den Bauhof aufgebaut.
Die bei derart langen und kräftezehrenden Einsätzen sehr wichtige Verpflegung wurde zunächst in Eigenregie sowie im weiteren Verlauf durch die Kantine der Fa. Symrise sichergestellt, wo die Einsatzkräfte mit einer warmen Mahlzeit versorgt wurden.
Um 18:00 Uhr waren alle Einsatzstellen abgearbeitet und die Einsatzbereitschaft von Fahrzeugen und Gerät wieder hergestellt. Damit endete ein für die meisten 12- für einige Einsatzkräfte sogar 15-stündiger Einsatz.
Aufgrund der vielen Hochwasser führenden Zuflüsse steigt auch der Weserpegel rasant an. Es wurde mit einem weiteren Anstieg auf ca. 6 Meter gerechnet. Der Alarmfahrer fuhr alle kritischen Punkte auch in der Nacht nochmals an um sie zu kontrollieren. Weitere Maßnahmen waren jedoch vorerst nicht notwendig.
Kategorie: Einsätze-Fw-HolzmindenVon: J. Schwingel; Fotos: G. Hartmann, M. Stahlmann, H. Kleinod, D. Kumlehn
- Links:
- Weserpegel Höxter der WSV






























