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21.11.2012

Ehrenstadtbrandmeister Schneider predigt in der Lutherkirche (21.11.2012)

"Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr", so lautet der traditionelle, Jahrhunderte alte Wahlspruch der Freiwilligen Feuerwehren. "Helfen alte Ideale oder verklären sie nur?", diese Frage warf der Holzmindener Ehrenstadtbrandmeister Helmut Schneider in seiner Predigt auf der sogenannten "Bürgerkanzel" anlässlich des Buß- und Bettages in der Holzmindener Lutherkirche auf.

Seit etlichen Jahren werden von der Stadtkirche im Rahmen der Bürgerkanzel am Buß- und Bettag Themen des gesellschaftlichen Zusammenlebens kritisch und nachdenklich aufgegriffen. Dabei haben traditionell Holzmindener Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Gelegenheit, in einer Predigt ihre Sichtweisen darzulegen und so neue Impulse zu geben.

Erstmals hat ein Feuerwehrmann diese Aufgabe wahrgenommen. Helmut Schneider hat in seiner Laufbahn an nahezu allen denkbaren Arten von Einsätzen, Übungen, Versammlungen und Veranstaltungen der Feuerwehr teilgenommen, viele davon auch geleitet. Eine Predigt von der Kanzel der Lutherkirche war nach 50 Dienstjahren aber dennoch eine Premiere.

Dabei führte Schneider der versammelten Gemeinde zunächst die ehrenamtlich geleisteten Aufgaben der Feuerwehr vor Augen. Er verdeutlichte die Wichtigkeit und Unersetzlichkeit dieses Dienstes für die Gesellschaft.

Der Ehrenstadtbrandmeister schilderte die emotionalen Belastungen der Einsatzkräfte, die vor allem Einsätze mit vermissten, verletzten oder gar getöteten Menschen mit sich bringen. "Oft nehmen die Einsatzkräfte die Eindrücke mit nach Hause", so Schneider. Feuerwehrleute könnten dann teilweise nachts nicht schlafen, da die wiederkehrenden Bilder sie quälten.

Hier spiele der Glaube für manche eine wichtige Rolle in der Verarbeitung und dem Umgang mit dem Erlebten. Ganz praktisch sei hier die Notfallseelsorge ein wichtiger Baustein. Die Seelsorger helfen nicht nur Betroffenen im Umgang mit dem Erlebten, sondern stehen bei Bedarf auch den Einsatzkräften zur Verfügung, z.B. in Form von Einzel- oder Gruppengesprächen nach belastenden Einsätzen.

Helmut Schneider bedauerte: "Aufgrund des demografischen Wandels wird es immer schwieriger, genügend freiwilligen und ehrenamtlichen Nachwuchs für die Feuerwehr zu gewinnen." Und das trotz der anhaltend hohen oder gar steigenden Einsatzzahlen. Und so warb Schneider für eine aktive Mitgliedschaft in der Feuerwehr, auch als ein Dienst im christlichen Verständnis der Nächstenliebe.

Viele der Anwesenden werden an diesem Abend einen neuen, genaueren Blick auf und für die wichtige Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr bekommen haben und durchaus nachdenklich nach Hause gegangen sein. Die Verbundenheit von Kirche und Feuerwehr wurde bei diesem Gottesdienst übrigens auch durch die Anwesenheit einiger uniformierter Feuerwehrkameraden deutlich zum Ausdruck gebracht.

Kategorie: Aktuelles-Fw-Holzminden
Von: J. Drescher/J. Schwingel